Hanau – Zum Internationalen Tag gegen Rassismus betont die Martin Luther Stiftung Hanau (MLS) die Bedeutung einer vielfältigen und inklusiven Ausbildung in der Altenhilfe. Während die Zahl der neuen Pflegeauszubildenden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2025 um acht Prozent gestiegen ist, setzt die Stiftung in Hanau auf ein Ausbildungsmodell, das weit über reine Nachwuchsgewinnung hinausgeht.
Vorstandsvorsitzender Thorsten Hitzel sagt: „So vielfältig wie die Menschen, um die wir uns in der Pflege und im Betreuten Wohnen kümmern, so vielfältig sind auch unsere Mitarbeitenden und Azubis“. In der Martin Luther Stiftung lernen junge Menschen aus 21 Nationen gemeinsam. Hitzel betont: „Heute bilden wir etwa doppelt so viele Menschen aus wie noch 2019. Wir holen sie genau dort ab, wo sie stehen. Damit machen wir die Stiftung zu einem Ort, der jungen Menschen eine Zukunft eröffnet.“
Aktuell durchlaufen 129 Auszubildende in den Einrichtungen der Stiftung eine Ausbildung. Die Mehrheit bereitet sich auf einen Pflegeberuf vor, weitere lernen kaufmännische Tätigkeiten sowie Berufe in Küche, Technik oder IT. Ein großer Teil von ihnen bringt Migrationserfahrungen mit, einige stehen sprachlich am Anfang.
Sprachförderung, fachliche und persönliche Weiterentwicklung
Um unterschiedliche Bildungswege erfolgreich zu begleiten, hat die MLS ein mehrstufiges Ausbildungsmodell aufgebaut. Die Zentrale Praxisanleitung führt die Auszubildenden durch Lernorte. Drei Sprachförderkräfte unterstützen die Lernenden in Kleinstgruppen, bewusst divers zusammengesetzt, damit Deutsch zur Alltagssprache wird. Im Skills Lab werden zusätzlich Bilder, Tafeln und mehrsprachige Materialien herangezogen, damit die Lernenden alle Fachinhalte verstehen. „Die sprachliche Verständigung ist der Anfang. Wichtig ist uns auch, dass die Azubis Mut, Orientierung und Zuversicht gewinnen, damit sie sich auch persönlich weiterentwickeln“, erklärt Sascha Lippert, Leiter der praktischen Ausbildung.
Gestufter Einstieg holt Azubis dort ab, wo sie stehen
Für Jugendliche aus weiterführenden Schulen, insbesondere mit Migrations- oder Fluchthintergrund, bietet die MLS einen gestuften Einstieg: Viele beginnen mit der einjährigen Altenpflegehelfer-Ausbildung, die sprachliche und fachliche Grundlagen schafft. Danach ist der Übergang in die dreijährige Ausbildung möglich. Auch Erwachsene mit ausländischen Bildungsbiografien nutzen diesen Weg, oft mit verkürzter Ausbildungsdauer. Die Pflegeakademie der Martin Luther Stiftung arbeitet zudem eng mit der Jugendwerkstatt Hanau zusammen, um Lernende in persönlichen Belastungen oder Krisen sozialpädagogisch zu unterstützen.
Mit der Nachwuchsgewinnung beginnt die Martin Luther Stiftung früh. So erhalten beispielsweise die Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtkurs „Jung trifft Alt“ an der Lindenauschule Hanau-Großauheim über ein gesamtes Schuljahr hinweg Einblicke in den Pflegealltag. Wer sich anschließend für eine Ausbildung in der Martin Luther Stiftung entscheidet, startet mit realistischen Erwartungen. „Wenn junge Menschen Pflege erlebt haben, bevor sie sich bewerben, gewinnen sie Sicherheit. Und Sicherheit ist die Grundlage jeder Entwicklung“, betont Lippert.
Klar kommunizierte Wertebasis
Dass kulturelle Vielfalt im Ausbildungsalltag kaum zu Konflikten führt, führt die MLS auf eine klar kommunizierte Wertebasis zurück. Bereits im Bewerbungsprozess lernen Interessierte das Leitbild der Stiftung und seine Grundwerte – Engagement, Vertrauen und Verantwortung – kennen. „Wir setzen auf Passung, nicht auf Perfektion. Die gemeinsamen Werte schaffen Raum für Entwicklung“, betont Hitzel.
Zum Internationalen Tag gegen Rassismus macht die Stiftung deutlich, dass gelebte Vielfalt unverzichtbar ist: „Rassismus entsteht dort, wo Distanz bleibt. Unsere Ausbildung setzt auf Nähe – auf Sprache, Begegnung und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl“, sagt Lippert. „Denn Vielfalt ist eine Ressource für die Pflege von morgen.“

